Wenn nichts wirkt – und genau das dein größter Hebel ist

assessments grundlagen der neuroathletik jebrini training neuroathletik neuroathletiktraining yassin jebrini Feb 22, 2026

Kennst du Klientinnen oder Klienten, die dich langsam in den Wahnsinn treiben? Nicht, weil sie unmotiviert sind, sondern weil einfach keine Maßnahme greift. Egal was du ausprobierst – Training, Therapie, Progression, Variation – es passiert nichts. Solche Fälle gibt es. Und früher oder später begegnen sie jedem Trainer und Therapeuten.

So frustrierend diese Situationen sind, sie haben einen großen Wert. Denn genau bei diesen Menschen lernt man am meisten. Sie zwingen uns, genauer hinzuschauen und die üblichen Lösungswege zu hinterfragen. Die entscheidende Frage lautet dabei immer: Warum passt sich dieser Mensch nicht an Trainingsreize an?

Ein sehr häufiger, aber oft übersehener Grund ist ein Energiedefizit. Wenn Atmung ineffizient ist oder dem System schlicht zu wenig Glukose zur Verfügung steht, fehlt dem Nervensystem die Grundlage für Veränderung. Anpassung kostet Energie. Aus Sicht des Nervensystems ist Veränderung unter Energiemangel sogar potenziell gefährlich. Die logische Konsequenz ist, dass Prozesse verlangsamt oder komplett blockiert werden. Kein Fortschritt ist dann kein Versagen des Trainings, sondern ein Schutzmechanismus.

Der zweite große Faktor ist ein zu schwacher Reiz. Wer mit Assessments und Re-Assessments arbeitet, kennt das Phänomen: Egal welchen Stimulus man setzt, die Tests bleiben neutral. Nichts wird besser, nichts wird schlechter. Das ist kein Zufall, sondern eine klare Botschaft des Nervensystems. Sinngemäß sagt es: Das reicht nicht. Mach mehr.

In solchen Fällen macht es Sinn, den Reiz gezielt zu verstärken oder intelligenter zu kombinieren. Nehmen wir einen Reha-Fall nach einer Sprunggelenksverletzung. Vielleicht bringt Sensorik alleine eine kleine Veränderung. Vielleicht Nervenmobilisation ebenfalls. Kombiniert man jedoch sensorische Stimulation am Gelenk, eine gleichzeitige Mobilisation neuraler Strukturen und die Aktivierung der sensorischen Rinde, entsteht plötzlich ein Reiz, der stark genug ist, um eine Anpassung auszulösen. Die Übung wird nicht wahllos schwerer, sondern sinnvoll komplexer.

Dasselbe Prinzip gilt im Krafttraining. Manche Menschen sprechen auf klassische Kraftreize in bestimmten Übungen schlicht nicht an. Erhöht man nur das Gewicht, passiert weiterhin nichts. Baut man jedoch einen Rhythmus über ein Metronom ein, verändert die Fehlerkorrektur oder fordert das System koordinativ stärker, kann genau das die Anpassung triggern, auf die man lange gewartet hat. Der Grund dafür liegt in unterschiedlichen neuronalen Profilen und darin, wie das Nervensystem Reize priorisiert.

Wenn Assessments dauerhaft neutral bleiben, ist das kein Zeichen von Stillstand, sondern von Klarheit. Das Nervensystem gibt Feedback. Es sagt dir sehr deutlich: Der Reiz ist zu gering. Wer dieses Signal versteht und richtig beantwortet, kommt auch bei den schwierigsten Fällen weiter.

Die Klienten, bei denen nichts funktioniert, sind nicht das Problem. Sie sind der Maßstab dafür, wie gut wir wirklich verstehen, wie Anpassung entsteht.

 

Viel Erfolg beim Training!

Yassin & Team


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