Neuro-Self-Assessments – Ein Werkzeugkasten für nachhaltigen Trainingserfolg!

In der Trainingswissenschaft gelten die Prinzipien zur Auslösung, Sicherung und Steuerung von Anpassungen an Trainingsreize als unverzichtbar. Wer seinen Körper mit wirksamen Widerständen über einen langen Zeitraum konfrontiert, wird unvermeidlich Fortschritte erzielen. Die Gesetzmäßigkeiten haben sich über Jahre bewährt und zeigen auch in Zeiten von Schnickschnack-Training und Glitzerstudios ihre Gültigkeit. Das Fundament stimmt, doch was ist mit der so oft gepredigten und so selten gelebten Individualität? Können allgemeine Gesetzmäßigkeiten das Optimum aus jedem Einzelnen von uns kitzeln?

 

Die Trainingslehre vernachlässigt diesen Aspekt, fußt sie doch auf Erfahrungswerten, die erst nach und nach mit wissenschaftlichen Untersuchungen unterfüttert werden. Ihre Erkenntnisse zieht die Forschung oft aus einer natürlichen Selektion, bei der schwache Ansätze aus dem Sortiment fliegen und starke Methoden und Trainingsweisen die kritischen Prüfungen überleben. Die Ansätze, die den Selektionsprozess überstehen, haben eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, beim Trainierenden zu wirken. Doch nicht jedes Medikament schlägt bei jedem „Patienten“ gleich gut an. Wir Menschen sind nicht gleich. Menschen sind so individuell, so komplex, dass ein Training, wenn es einen individuellen Anspruch erhebt, nicht einfach über eine Handvoll verschiedener Regulatoren gemaßregelt werden kann.

 

Ein individuelles Training muss das neuronale Feedback des Trainierenden für ein Bewegungsmuster berücksichtigen. Das zentrale Nervensystem ist der Schaltknüppel, der unsere Bewegungen steuert und darüber entscheidet, wie viel Leistung überhaupt erst freigegeben wird. Das Kernproblem dabei: Wie man eine Hantel hebt, weiß jeder, doch wie man die Verbindung aus Hirn und Körper fordert und fördert sowie Schwächen der Bewegungssteuerung gezielt behebt, davon haben selbst erfahrene Trainer und Sportwissenschaftler selten gehört. In der aktuellen Trainerausbildung wird die Priorität des zentralen Nervensystems immer noch kaum berücksichtigt.

 

Wenn das zentrale Nervensystem als steuernde Instanz den Weg in unsere Trainingspraxis findet, ist es möglich, die Effizienz jeder Übung direkt zu beurteilen. Das Wissen über die Kettenreaktion vom Input sensorischer Informationen – zentralem Nervensystem – und motorischem Output ermöglicht die Gestaltung eines wirklich individuellen und somit erfolgreichen Trainingsprogramms. Zerstreuende, vom Ziel ablenkende Übungen können aufgedeckt, gestrichen und durch effektivere Übungen ersetzt werden.

 

In der Trainingspraxis benötigen wir Bewegungsmuster, die uns ein direktes Feedback unseres zentralen Nervensystems auf bestimmte Reize geben. Diese werden Neuro-Self-Assessments genannt. Doch wie sehen die konkret aus? Ein Neuro-Self-Assessment besteht aus einem Test, der sowohl vor als auch nach einer Trainingsübung angewendet wird. Dieses unmittelbar stattfindende Test-Retest-Verfahren setzt einen Standardwert und prüft die Wirksamkeit einer Übung durch den Vergleich mit dem eben diesem Wert. Hierzu können im einfachsten Fall alle möglichen Beweglichkeitstests, die schmerzfrei ausgeführt werden können, herangezogen und vor sowie direkt nach der Übung wiederholt werden. Gleichgewichts- oder Krafttests sind ebenso möglich. Auch eine Ganganalyse ist eine gute Assessment-Option, bedarf als anspruchsvolles Werkzeug, aber das geschulte Auge eines erfahrenen Trainers. Das entscheidende Kriterium ist, dass der Test identisch wiederholt werden kann! In der Trainingspraxis kann so jeder Inhalt hinsichtlich seines Werts für den Trainierenden beurteilt werden.

 

Nutze die neuen Werkzeuge! Bewertet das zentrale Nervensystem einen Trainingsinhalt als positiv, zeigt sich dies über ein positives Assessment. Ein positives Assessment zeigt sich bei einem Beweglichkeitstest durch eine Verbesserung der Beweglichkeit. Bei diesen Trainingsinhalten ist kurz- und langfristig mit den größten Fortschritten und den geringsten Problemen zu rechnen. Trainingsinhalte mit neutralem Assessment sind aus Sicht des zentralen Nervensystems nicht besonders förderlich, aber auch nicht bedrohlich. Sie sollten nicht als direktes Ausschlusskriterium angesehen werden. Wenn zum Beispiel alle ziehenden Bewegungsmuster (bilateral, unilateral, und jeweils mit Rotation) ein neutrales Feedback erzeugen, sollte nicht grundsätzlich auf ziehende Bewegungen verzichtet werden.

 

Wer mag Sandwich? Über den Umgang mit negativen Assessments:

 

Selbst wenn das zentrale Nervensystem einen Trainingsinhalt als kritisch einstuft, dürfen negative Assessments nicht einfach auf Eis gelegt werden. Wir haben eine Schwäche aufgedeckt, also gehen wir sie an! Um das zentrale Nervensystem bestmöglich zu programmieren, bedienen wir uns hierbei der Sandwich-Bauweise. Wir packen den Drill, der aktuell als negativ bewertet wurde in die Mitte aus zwei gut bewerteten Drills. Zuerst einen guten Drill, dann einen schwächeren, um dann wieder mit einem guten Drill zu enden. Um diesen Trainingsinhalten Raum zu bieten, sollte eine zusätzliche Einheit ins Trainingsprogramm eingeschoben werden, in der es nicht speziell um Leistungszuwachs geht, sondern eher um rehabilitative Maßnahmen. Hier hat der Trainierende Zeit und Muße, sich einzelnen Problemfeldern zu widmen.

 

Einfachheit als Qualitätskriterium

Das alles klingt zu einfach, um wahr zu sein – und doch funktioniert es. Mit den Neuro-Self-Assessments lässt sich ein individuelles Training maßschneidern. Entsprechend des neuronalen Feedbacks werden diejenigen Trainingsinhalte ausgewählt, die die größten Fortschritte ermöglichen. So kann Fortschritt kurz- und langfristig garantiert werden, vorausgesetzt wir testen regelmäßig und achten auf positives neuronales Feedback.

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