Neurozentriertes Training nach Bandscheibenvorfall: Ein Praxisbeispiel aus dem MMA
Aug 30, 2026Vor einigen Jahren durfte ich einen MMA-Sportler begleiten, der bereits eine längere Verletzungsgeschichte hinter sich hatte. Im Mittelpunkt stand ein Bandscheibenvorfall, bei dem ihm eine Operation empfohlen worden war. Er entschied sich jedoch bewusst gegen diesen Eingriff und suchte nach einer Möglichkeit, seine Beschwerden konservativ in den Griff zu bekommen und gleichzeitig wieder leistungsfähig zu werden.
Trotz der anhaltenden Schmerzen hatte er sich bereits zurück ins Training gearbeitet. Zusätzlich stand er vor einer weiteren Herausforderung, die im MMA zum Alltag gehört: das Gewicht. Gerade in der Vorbereitung auf einen Kampf, wenn das sogenannte Cutting beginnt, müssen körperliche Leistungsfähigkeit und Regeneration optimal funktionieren.
Zu Beginn analysierten wir ausführlich seine Vorgeschichte, seine aktuellen Einschränkungen und die Bewegungen, bei denen Probleme auftraten. Mein Ansatz ist dabei immer derselbe: Nicht nur das Symptom betrachten, sondern verstehen, was unmittelbar vor dem Problem passiert und welche neuronalen Systeme dabei beteiligt sind. Sein Ziel war klar formuliert: leistungsfähiger werden und eine Operation vermeiden.
Ein Schwerpunkt lag auf neuromechanischen Techniken. Durch den Bandscheibenvorfall waren bestimmte Nervenstrukturen beeinträchtigt, weshalb wir gezielt daran arbeiteten, deren Beweglichkeit und den Informationsfluss zu verbessern. Dabei bezogen wir auch das Rückenmark mit ein und bauten die Bewegungskontrolle Schritt für Schritt wieder auf – immer innerhalb eines sicheren und kontrollierten Belastungsrahmens.
Parallel optimierten wir das Gleichgewichtssystem. Gerade im Kampfsport kommt es durch Schläge und schnelle Richtungswechsel häufig zu Einschränkungen in der vestibulären Verarbeitung. Das Nervensystem muss dennoch jederzeit präzise Informationen über Körperposition und Beschleunigung erhalten, um Bewegungen sicher steuern zu können.
Ein weiterer Bestandteil des Trainings waren Infinity Walks, die verschiedene sensorische Systeme miteinander verknüpfen und die Stabilität in Bewegung verbessern können. Zusätzlich arbeiteten wir sehr spezifisch an einzelnen Bewegungsmustern. Beim Rollen auf eine Seite zeigte sich eine deutliche Unsicherheit, die wir gezielt trainierten.
Auch seine rechte Kniestreckung war eingeschränkt – ausgerechnet an dem Bein, mit dem er bevorzugt kickte. Deshalb integrierten wir sensorische Reize für die Innen- und Außenbandstrukturen des Knies sowie unterstützende Maßnahmen wie Schröpftechniken, um die Wahrnehmung und Kontrolle dieser Region zu verbessern.
Bereits nach kurzer Zeit reduzierten sich die Schmerzen deutlich und die Stabilität nahm spürbar zu. Darauf aufbauend steigerten wir die Belastung systematisch – zunächst mit isometrischen Übungen, anschließend dynamisch und schließlich unter sportartspezifischer Belastung. Zum Schluss integrierten wir positionsspezifisches Atemtraining unter Last, um die Anforderungen des Wettkampfs möglichst realitätsnah abzubilden.
Dieses Beispiel zeigt, wie individuell neurozentriertes Training aufgebaut wird. Es gibt keinen Standardplan, sondern eine Analyse der Anforderungen, der Einschränkungen und der Ziele des jeweiligen Athleten. Auf dieser Grundlage entsteht ein Trainingskonzept, das den Menschen in seiner Gesamtheit betrachtet – von der Rehabilitation bis zur Rückkehr in den Leistungssport.
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Viel Erfolg beim Training!
Yassin & Team
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