Warum entstehen Trainings- und Therapieplateaus? – Teil 1

grundlagen der neuroathletik jebrini training neuroathletiktraining trainingsplateau yassin jebrini Jun 07, 2026

Viele Menschen erleben irgendwann einen Punkt, an dem sie trotz gutem Training oder Therapie nicht mehr wirklich Fortschritte machen. Genau hier entstehen Plateaus. Die Ursachen dafür sind oft komplexer, als man denkt.

Wichtig zu verstehen ist zunächst: Jede Anpassung im Training oder in der Therapie ist letztendlich eine neuroplastische Anpassung. Unser Nervensystem verändert und organisiert sich ständig neu. Damit das funktioniert, braucht es jedoch bestimmte Grundlagen.

An erster Stelle stehen Energie und Sauerstoff. Nervenzellen benötigen ausreichend Versorgung, um lernen und sich anpassen zu können. Deshalb spielt die Atmung eine enorme Rolle. Wenn die Sauerstoffversorgung nicht gut funktioniert, kann selbst das beste Training stagnieren. Genau deshalb wird in der Praxis häufig zuerst die Atmung überprüft, bevor überhaupt mit Interventionen gearbeitet wird.

Der zweite entscheidende Faktor ist Wiederholung. Das Nervensystem lernt nicht durch einmalige Reize, sondern durch Volumen über Zeit. Wenn wir herausfinden, welche Übungen oder Stimuli das System verbessern, müssen diese regelmäßig und ausreichend oft trainiert werden.

Ebenso wichtig sind Fokus und Aufmerksamkeit. Unser Nervensystem passt sich sehr spezifisch an das an, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Wer während des Trainings ständig abgelenkt ist, verschenkt häufig Potenzial. Gute Trainer und Therapeuten helfen deshalb dabei, den Fokus gezielt auf die Aufgabe zu lenken.

Ein weiterer zentraler Punkt ist der progressive Overload. Das Nervensystem braucht neue Herausforderungen. Wenn wir zu lange mit denselben Reizen oder Widerständen arbeiten, bleibt die Anpassung irgendwann aus. Entscheidend ist dabei eine Steigerung, die tolerierbar bleibt und das System nicht überfordert.

Genauso wichtig ist Regeneration. Die eigentliche Anpassung passiert nicht während des Trainings, sondern danach. Schlaf, Stressmanagement und Erholung sind deshalb keine Nebensache, sondern ein zentraler Bestandteil von Fortschritt.

Darüber hinaus spielen grundlegende Lernprinzipien des Nervensystems eine große Rolle. Nach dem Hebb’schen Gesetz verknüpfen sich Nervenzellen, die gemeinsam aktiv sind. Gleichzeitig gilt das S.A.I.D.-Prinzip: Unser Körper passt sich genau an das an, was wir trainieren. Wer in einer Bewegung besser werden möchte, muss diese Bewegung spezifisch trainieren und lange genug bei einem Reiz bleiben.

Wichtig ist dabei jedoch: Wiederholung ohne ständig exakt zu wiederholen. Kleine Veränderungen innerhalb derselben Bewegung können helfen, das Nervensystem weiter herauszufordern. Beispielsweise über minimale Anpassungen von Geschwindigkeit, Widerstand oder Bewegungsvarianten. So bleibt der Reiz relevant und die neuronalen Verknüpfungen können sich weiterentwickeln.

Plateaus entstehen also häufig nicht durch fehlende Motivation, sondern weil wichtige Grundlagen für neuroplastische Anpassung fehlen oder nicht optimal genutzt werden.

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