Bessere Fragen führen zu besseren Ergebnissen in Therapie und Training
Sep 27, 2026Zeitstress und Erwartungshaltungen sind zwei Faktoren, die uns in Therapie und Training schnell davon abhalten können, wirklich gute Lösungen zu finden. Dabei liegt ein großer Teil der Lösung häufig bereits in den Antworten unserer Klientinnen und Klienten. Wir müssen nur die richtigen Fragen stellen – und vor allem: zuhören.
Die erste Frage: Was ist passiert, bevor das Problem aufgetreten ist? Die Antwort darauf liefert häufig bereits einen entscheidenden Hinweis. Jemand berichtet beispielsweise über Rückenschmerzen. Doch wie sind diese entstanden? Hat die Person sich beim Heben einer schweren Kiste verhoben? Ist sie gestürzt? Allein diese Informationen verändern die Richtung, in die wir weiterdenken. Rückenschmerzen nach einer ungeschickten Hebebewegung führen beispielsweise zu anderen Überlegungen als Beschwerden, die nach einem Sturz und möglicherweise gemeinsam mit Gleichgewichtsproblemen entstanden sind. Der zeitliche Zusammenhang und der Auslöser sind deshalb keine Nebensächlichkeiten. Sie geben uns Kontext.
Eine weitere Frage, die in der Praxis unglaublich hilfreich sein kann: „Zeig mir bitte genau, wo das Problem auftritt.“ Denn zwischen „Ich habe ständig Schmerzen“ und „Der Schmerz kommt immer, wenn ich mich nach rechts rotiere“ liegt ein großer Unterschied. Manche Menschen erleben Beschwerden sehr allgemein und unabhängig von einer bestimmten Situation. Andere können den Auslöser erstaunlich präzise beschreiben (z. B. „Immer wenn ich mich nach vorne beuge.“ // „Beim Aufstehen aus dem Sitzen etc.“). Je genauer jemand beschreiben und zeigen kann, wann und wo ein Problem auftritt, desto einfacher wird es häufig, die Situation zu untersuchen und mögliche Einflussfaktoren zu identifizieren.
Wenn wir langfristig mit Menschen arbeiten möchten, lohnt sich ebenfalls noch eine andere Frage: „Was möchtest du machen, wenn du dein Ziel erreicht hast?“ Diese Frage verändert den Rahmen von Therapie und Training. Denn ein Ziel wie „Ich möchte keine Rückenschmerzen mehr haben“ beschreibt zunächst vor allem einen Zustand, den jemand nicht mehr möchte. Interessanter wird es, wenn wir fragen: Was möchtest du danach wieder tun? Vielleicht möchte jemand wieder: mit den Kindern auf dem Boden spielen, Fußball spielen, wandern gehen, schmerzfrei arbeiten, schwere Dinge heben, regelmäßig trainieren oder einfach wieder Vertrauen in den eigenen Körper haben.
Damit bekommen Therapie und Training eine konkrete Richtung. Wir arbeiten nicht nur darauf hin, dass ein Symptom verschwindet. Wir arbeiten darauf hin, dass jemand wieder etwas tun kann, das ihm wichtig ist. Gute Fragen schaffen einen besseren Rahmen.